Das Grundprinzip
Eine KI im Industrie-Editor ist gefährlich wenn sie ohne Aufsicht schalten kann. Ein geforcter Output könnte einen Motor anwerfen. Ein falsches Deploy könnte die laufende Anlage stoppen. Eine versehentlich gelöschte Variable könnte eine Schutzfunktion außer Kraft setzen.
ForgeIEC’s Antwort: drei aufeinanderfolgende Schutz-Schichten. Eine KI muss alle drei passieren bevor sie etwas in Ihrer Anlage verändern kann.
Schicht 1 — Standard-Auslieferung ist sicher
Wenn Sie ForgeIEC frisch aus dem APT-Repository installieren, ist der KI-Helfer im Read-only-Modus. Er kann:
- Lesen (Projekt, POUs, Live-Werte)
- Vorschläge machen (“hier wäre ein Bug”)
- Diagnose-Berichte erstellen
Er kann nicht:
- Variablen anlegen oder löschen
- POU-Code ändern
- Kompilieren oder deployen
- SPS starten / stoppen / pausieren
Das ist nicht ein Hakchen das man umstellt — das ist eine andere Editor-Version. Die Standard-Version aus dem Internet hat die Schreib-Funktionen gar nicht erst eingebaut.
Um schreibende Aktionen zu erlauben, muss ForgeIEC Studio neu mit
der Option -DMCP_OVERRIDE_SECURITIES=ON gebaut werden — oder Sie
installieren das mitgelieferte Dev-Paket. Auf einer produktiven
SPS-Workstation sollte das nicht laufen.
Erkennen Sie es daran: wenn ForgeIEC Studio mit Schreib-Freigabe gestartet ist, zeigt der KI-Helfer beim Start einen Sicherheits- Banner:
!!! SECURITY OVERRIDE ACTIVE !!!
Editor was built with MCP_OVERRIDE_SECURITIES=ON
ALL MCP security gates are OPEN
This build MUST NOT run on a productive PLC.
Wenn die KI ein Schreib-Werkzeug aufruft das gesperrt ist
In der Standard-Version bekommt die KI einen klaren Fehler — und einen konkreten Menü-Pfad, den sie Ihnen zeigen kann. Die KI versucht nicht, das System aufzuweichen; sie zeigt Ihnen stattdessen wo Sie den entsprechenden Knopf im Editor selbst finden. Beispiel: die KI möchte eine Variable anlegen:
{ "ok": false,
"error": "FORGE_ERR_PERMISSION_DENIED",
"remediation": {
"rule": "editor_override_required",
"requires_human_action": true,
"gui_path": "Variables panel → Add Variable button (top of the table)",
"user_prompt": "Ich kann den Schritt in dieser Installation nicht
selber ausfuehren. Um es manuell zu tun, gehe zu:
→ Variables panel → Add Variable button
Sag mir Bescheid wenn Du fertig bist."
}
}
Die KI weiß dadurch sofort:
- Was schief lief — Production-Build, Tool ist gesperrt.
- Welchen Knopf Sie als Operator drücken müssen — den konkreten Menü-/Dialog-/Tree-Context-Pfad zur passenden GUI- Aktion. Jede MCP-Schreibaktion hat ein hand-klickbares Äquivalent.
- Was die KI nicht tun darf — Sie zu Shell-Befehlen, einem Rebuild oder einem Anruf beim Administrator anzustiften. Der GUI-Pfad ist die einzige Operator-Aktion.
Das gleiche Pattern gilt für den PLC-Runtime (anvild) wenn
der ohne Live-Monitoring läuft — monitor.* / oscilloscope.*
verweisen dann auf den Menü-Toggle:
{ "ok": false,
"error": "FORGE_ERR_RUNTIME_FEATURE_UNAVAILABLE",
"feature": "monitor",
"remediation": {
"gui_path": "Runtime → Live-Monitoring",
"user_prompt": "Bitte oeffne das **Runtime**-Menue in ForgeIEC
Studio und klick **Live-Monitoring**. Das Menue-Item ist
eine Checkbox — anklicken schaltet ein."
}
}
Sie merken: bevor die KI etwas „heimlich" macht oder ins Leere läuft, sagt sie Ihnen explizit „bitte klick hier" + zeigt den konkreten Pfad. Die Entscheidung — und der Klick — liegen bei Ihnen.
Schicht 2 — Rückfrage bei jeder Änderung
Selbst in der freigeschalteten Version stellt ForgeIEC Studio bei jeder schreibenden Aktion eine Rückfrage.
Beispiel: Die KI will eine Variable anlegen.
[tool] project.write.add_variable
name=Druck_1, iec_type=REAL, address=%MD200, scope=bellows.Sensoren
Confirmation required:
Question: Add bellows.Sensoren.Druck_1 (iec_type=REAL)?
Options: yes / cancel
Erst wenn Sie „yes" klicken passiert die Aktion. Wenn Sie „cancel" klicken, wird der KI-Loop sauber abgebrochen und die KI wird informiert dass Sie abgelehnt haben — sie kann dann anders weitermachen oder fragen.
Diese Rückfragen erscheinen sichtbar im Chat-Verlauf — der KI- Helfer kann Sie nicht „heimlich" umgehen.
Im Geschwindigkeits-Modus (siehe Bedienung) beantwortet ForgeIEC Studio diese Rückfragen selbst mit „yes". Das ist bequem für Test-Setups aber nicht empfohlen für Produktion — gilt nur für die aktuelle Anfrage und muss bewusst eingeschaltet werden.
Schicht 3 — Operator-Sichtbarkeit
Die KI kann nichts heimlich tun. Alles ist mitlesbar:
- Im Chat-Verlauf sehen Sie jeden Werkzeug-Aufruf der KI:
[tool] codegen.deploy (0 args) - Im Output-Panel sehen Sie die Compile-Ausgabe wie wenn Sie selbst auf den Build-Knopf gedrückt hätten.
- Im Audit-Log wird jede schreibende Aktion mit Zeitstempel
protokolliert. Die Datei liegt unter
~/.config/ForgeIEC/mcp_audit.logund kann nachträglich durchgesehen werden.
Force-Pfad — die rote Linie
Eine Aktion ist prinzipiell der KI nicht zugänglich: das Forcing. „Forcing" bedeutet einen Wert einer Variablen manuell festlegen, unabhängig davon was das Programm sagt — also z.B. einen Output-Pin auf TRUE setzen, was am Hardware-Ausgang einen Motor anwerfen kann.
Force-Setzungen muss der Mensch über die GUI vornehmen. Die KI
kann sie sehen (im Live-Snapshot zeigt sie forced=true) aber
nicht selber setzen. Das ist eine harte Trennung —
unabhängig vom Geschwindigkeits-Modus, unabhängig vom Build-Flag.
Begründung: ein geforcter Output bewegt reale Hardware. Schutz- und Sicherheits-Funktionen könnten dadurch außer Kraft gesetzt werden. Ein KI-Agent darf solche Side-Effects nicht selbsttätig auslösen — selbst wenn er glaubt es wäre richtig.
Was tun wenn etwas falsch läuft?
- Notbremse (roter STOP-Knopf im Chat-Reiter, nur sichtbar im Geschwindigkeits-Modus) → KI-Loop sofort abbrechen
- SPS stoppen über das
Runtime-Menü → Outputs in Safe-State - Geforcte Variablen aufheben über den Force-Tab im Variables- Panel
- Audit-Log lesen unter
~/.config/ForgeIEC/mcp_audit.log→ was hat die KI nacheinander gemacht
Empfehlungen
- Entwicklung: freigeschaltete Version, Trainee-Persona, langsamer Modus — Sie sehen jeden Schritt
- Code-Review: Reviewer-Persona — kann nichts kaputt machen
- Diagnose auf Produktions-SPS: Monitor-Persona — keine Änderungen möglich
- Aktive Programmierung mit erfahrener KI: Blacksmith Master, ggf. Geschwindigkeits-Modus an
- Produktiver Betrieb auf laufender Anlage: lassen Sie die Standard-Version drauf — KI ist read-only, keine Gefahr
Weiter
- Bedienung im Alltag — Notbremse + Geschwindigkeits- Modus
- Personas — welche Charaktere haben welche Rechte
- Mehrere Workstations verbinden — Team-Trust
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